hennigsen

Kleine Mobiltoilettenkunde

Das gemeine Klohäuschen (der Gattung Dixi) wird auch an die deutsche Bundeswehr für den Manövereinsatz verkauft. Früher wurden diese Klohäuschen in der offiziellen Tarnfarbe, angelehnt an das Farbmischungsverhältnis des deutschen Laub-und Nadelwaldes, gespritzt und als Sonderedition ausgeliefert. Allerdings wurde dies der Bundeswehr auf Dauer zu teuer, da viele dieser Häuschen im Anschluss an die Übungen "unauffindbar" geblieben sind. Daher erstrahlen die mobilen Auffanglager bei Kampfeinsätzen heutzutage wieder in schönstem Hellblau. Wenn Ihr im Wald also demnächst mal wieder Pilze pflückt, erschreckt Euch nicht, wenn Ihr über ein übelriechendes grünes Plastikding stolpert (no, it's not Martian).

Was den weiteren Einsatz der Granatenwerfer im militärischen Alltagsgeschäft anbelangt, so hat zumindest die Variante DIXI B (der Klassiker, der vor nunmehr 30 Jahren eine neue Toilettenkultur begründete), eine kackbraune Vorderseite. Wenn man diese Seite nun geschickt dem Feind zuwendet, sollte das dem Benutzer auch längerfristige Einsätze ermöglichen. Frei nach dem Motto: Wenn's mal wieder länger dauert ;-)

3 Kommentare 8.12.06 22:03, kommentieren

Noch ein Urlaubsbericht

Hallo World Wide Web! Auch Hennigsen ist jetzt wieder online, nachdem ich die letzten Wochen mit meiner Familie an einem geruhsamen Deich in Friesland verbracht habe. Am Ortseingang stand einsam ein Schild: "Demnächst auch hier: Festnetz, DSL, Internet". Nun ja. Unter Traffic versteht man hier wohl eher eine Ansammlung von Pulloverschweinen (Schrägstich Schafen), und unter Applet eine Kinderportion Apfelkuchen. Und die Nordsee kommt und geht. Der Mond macht seine Sache gut als Server.

So beschaulich das Umland, so betriebsam ging es zu in unserer Feriensiedlung. Horden von Großstädtern besetzten fast lückenlos ein Revier von 400 Appartementhäusern namens Center Park, jeder davon trug mindestens einen Säugling auf dem Arm. Übrigens ein interessantes Biotop menschlicher Verhaltensweise in Sachen Nachwuchsversorgung. Von meiner Sorte, der Spezies Papa, gibt es ein Intervall in der Ausprägung von [sitzt bereits morgens breitarmig auf der Couch mit einer Flasche Bier vor der Kiste, bis die anderen Papa-Kumpels den ersten Kümmerling herangeschafft haben] bis [trägt bereits morgens im Frühnebel drei Kinder spazieren, um die Mama beim Ausschlafen nicht zu stören]. Die Anzahl an Feriengästen wird nur noch übertroffen durch die Vielfalt an absurden Tretmobilen: Die Bandbreite reicht vom Einrad bis zum achtarmigen Fahrrad-Kraken, und alle bevölkerten irgendwie nebeneinander die Strassen und reduzierten die Durchschnittsgeschwindigkeit der anderen Verkehrsteilnehmer von rasanten 30 km/h auf Schrittgeschwindigkeit.

An baulichen Sehenswürdigkeiten bietet das norddeutsche Flachland bis auf einige Wurtendörfer naturgemäß wenig. Für die Kinder aber ist es ein Ferienparadies, insbesondere angesichts echter Vierbeiner am Wegesrand. So kann Eric jetzt mühelos Muh von Mäh unterscheiden, und auch Storch, Elch und Eisbär gehen ihm fließend über die Lippen. Die Fütterung von Max, dem Schimmel, mit frischen Apfeln war ein fast schon liebgewonnenes tägliches Ritual.

Nun ist auch diese Lebensepisode Geschichte. Ein Urlaub war es schon, eine Erholung kaum, zumal unser Jüngster derzeit eine Durchschlafhalbwertzeit von höchstens drei Stunden hat und der Große ab halb sieben morgens aus seinem Reisebett springt, um die Welt zu umarmen. Aber wie sagt man: Schlafen kann man immer noch .. irgendwann ...später.

2 Kommentare 2.10.06 21:56, kommentieren

Abschied von Ulrich Wickert

[Aus einem Schaltgespräch von 1997]
Schäuble: Haben Sie eigentlich abgenommen?
Wickert: Nee, ich hab' jetzt wieder ein bißchen zugenommen.
Schäuble: Aber Sie hatten abgenommen?
Wickert: Ich hatte abgenommen, ja. Ich hatte aufgehört, soviel zu trinken.
Schäuble: Ja, da nimmt man ab.
Wickert: Da nimmt man ab, jaja. Wissen Sie, es ist so: Wenn ich abends nach Hause komme, das ist immer so spät. Und dann sag' ich: Trink' ma jetzt noch'n Fläschl Rotwein. Wenn man eine Flasche aufmacht, ist es so schade, wenn man sie nicht austrinkt.
Schäuble: Richtig.
Wickert: Dann hab' ich irgendwann gesagt: Da mußt du häufiger mal die Flasche zulassen.
Schäuble: Da nimmt man ab.
Wickert: Da nimmt man ab, jaja.
Schäuble: Aber auch an Lebensqualität.
Wickert: Ja, das muß man dann dosieren.

2 Kommentare 3.9.06 22:21, kommentieren

Die neue Zeitrechnung

Belauscht in der Schule, 13. Jahrgang.

Lehrer: Wieviele Monate hat ein Jahr?
Schülerin #1: 24!
Schülerin #2: 9!
Lehrer schaut verwirrt drein.
Schülerin #1: Oh, Mist, ich hab an Handyverträge gedacht.
Schülerin #2: Und ich an Schwangerschaften.

3 Kommentare 31.8.06 21:58, kommentieren

Bin auf Spur – Teil 3 [Wie alles anfing...]

Als ich eines Ultimo Morgens aufwachte, befand ich mich in einer tiefen Sinnkrise, was ich daran merkte, dass mir der Sinn des Lebens nicht mehr so recht einleuchtete. So dachte ich Dinge wie: "Was soll das alles" oder "So kann das nicht weitergehen". Ich machte die Anstrengungen meines Berufs dafür verantwortlich. Zu dieser Zeit bestand meine Hauptarbeit darin, Prozessanweisungen zu schreiben. Prozessanweisungen dienen im wesentlichen dazu, den im Einflussbereich dieser Anweisung lebenden, bislang fröhlich vor sich her arbeitenden Mitarbeitern täglich ins Bewusstsein zu schreiben: "Ihr seid assimiliert. Widerstand ist zwecklos". Ich schaute an mir hinab, der Blick glitt über den Bartsaum hinab auf die vom Nachschlaf noch zerlegten Brusthaare und weiter auf die rechte meiner oberen Extremitäten. Da konzentriert sich zu viel Macht in einer Hand, dachte ich bei diesem Anblicke heroisch, und beschloss, mich fortan mit meinem Dienstfahrrad selbständig zu machen.

Beflügelt von der Einsicht, künftig alleine mit der eigenen Füße Kraft etwas zu bewegen, studierte ich diverse Branchen, aber so richtig mochte mir kein Beruf gefallen. Kurierfahrer erschien mir zu fremdbestimmt, Rennfahrer gesundheitlich unverträglich (außerdem kenne ich keinen spanischen Arzt), und als Rikschafahrer hat man ja nur einen Anhänger. Lediglich "Ironman" regte meine Fantasie an. Ich schaute nochmals an mir und meinem perspektivisch verjüngten Becken hinab. Ja, das konnte ich mir vorstellen, das schien doch irgendwie ganz gut zu mir zu passen.

So setzte ich mich gleich an den Schreibtisch und verfasste ein ausführliches, an den Hamburger Triathlon Verband gerichtetes Bewerbungsschreiben, legte ein ärztliches Attest bei und das Abschlusszeugnis der Grundschule (den Sportunterricht an weiterbildenden Schulen habe ich nur passiv betrieben). Etwa eine Woche später erhielt ich von der DTU einen ablehnenden Bescheid.
Das Begründungsschreiben enthielt neben einigen freundlichen Worten ein kostenloses Abo des triathlon Newsletters sowie die Adresse des örtlichen Seniorenbeauftragten.

Die Absage kränkte mich zutieftst, und so beschloss ich, mich gleich auf eigene Beine zu stellen und mein Glück als freiberuflicher Triathlet zu versuchen. Ich kaufte mir eine wasserdichte Badehose, Sportschuhe mit federndem Aquagel und "Navigation onboard", ein Nachtsichtgerät und lackierte mein Dienstfahrrad carbonfarben. Um meinen Bekanntheitsgrad zu steigern, brachte ich an der Haustür ein Schild "Hennigsen – freiber. Triathlet" an. Dann schrieb ich mich für den nächsten lokalen Wettbewerb, den Hamburg City Man, ein, nicht ohne dass mich meine Freunde zu mehr Pitchern Dreikörnerbier überredet hatten, als mir an diesem Abend verträglich waren.

Der Rest ist Geschichte. Gern würde ich mal Formationsfahren üben oder ein wenig Delphin und Schmetterling in den Stadtgewässern. Doch kaum werde ich mit diesem Vorhaben bei meinen Freunden vorstellig, sind sie urplötzlich "verhindert" oder "in den nächsten Wochen am Gardasee". Am Outfit sollte es nicht liegen, denn eine professionelle Einstellung ist mir wichtig. Auch wenn ich seit einigen Tagen diesen verd.... Neo nicht mehr vom Körper bekomme, weil ich das letzte Mal vergessen habe, Vaseline an den entscheidenden Stellen aufzutragen. Für die Benutzung dieser Dinger sollte mal jemand eine Prozessanweisung erstellen!

[Angelehnt an Bernd Möhlmann – einer der besten Kolumnisten, die ich kenne, und ich kenne nicht viele]

5 Kommentare 26.8.06 23:04, kommentieren