hennigsen

Termin im Ortsamt

Vor mir ein Schild mit dem Namen: 'Hr. Stemplowski' ...

1 Kommentar 8.6.07 20:17, kommentieren

Gott hat dich lieb

Viel geht mir derzeit im Kopf umher. Warum trägt Herr Pofalla trotz hoher Diäten ein Kassengestell? Wenn in Unternehmen heutzutage immer weniger Titel verliehen werden, ergibt sich dadurch volkswirtschaftlich gesehen ein Gesamtautoritätsverlust? Gibt es Monte-Carlo-Simulationen für Lebensverläufe? Und wenn ja, wie sähe dann mein 5%-Verlustquantil aus? Warum wollen mir einfach keine Koteletten wachsen? Es hilft nichts, ich brauche Orientierung. Ich habe daher beschlossen, mich in geistige Obhut zu begeben.

Das Holz des Beichtstuhls unter mir in der örtlichen Kathedrale knarrt beharrlich. Dämmerung und Wurmstich umfangen mich, während mein Leben wie von einer langen Kamerafahrt eingefangen vor meinem geistigen Auge abläuft. Da zoome ich nochmal auf meine erste Mathe 5. Oder als ich zwei Knöpfe aus des Vaters bester Cordcouch herausgerissen habe und das mit dem Sofakissen vertuschen wollte. Auch meine Kinderzimmertür habe ich dereinst einmal in unbedachter Rage eingetreten. Und in der Sauna im Keller unserer Wohnanlage heimlich geraucht... In 40 Jahren kommt erfahrungsgemäß ein gutes Päckchen an Sünden zusammen. Dazu noch fremde Götter anbeten, des Nachbarn Weib begehren, Gerüchte streuen, in Teilzeit gehen. Das lastet auf den Schultern, da hilft auch keine Massage oder Grüner Tee, da muss die gute alte Beichte her.

Der Geruch halbaufgelutschter Minzepastillen dringt durch die Gitterstäbe. Auf der anderen Seite der Kabine deutet sich eine Silhouette an. "Nun?" ertönt es sanft, fast 10 Minuten schon währt die Stille. Ohne Folien fühle ich mich unvorbereitet, fast nackt. Auf einmal erscheint mir die Angewohnheit, Sitzungen mit einer kurzen Vorstellungsrunde einzuleiten, gar als als sinnvolle Erfindung denn als lästiges Übel. "Was führt Dich hierher, mein Sohn?"

"Muss ich eigentlich gegen mich aussagen?" frage ich vorsichtig. "Wir sind hier nicht bei Jürgen Fliege" sagt der Geistliche. "Nun, Vater", beginne ich vorsichtig, "eigentlich bin ich zu Ihnen gekommen, weil ich momentan nicht weiß, welches Verhalten meinerseits Gott erfreuen könnte." Himmel, denke ich insgeheim. Was mache ich nur hier? Eine Art göttliches Zielvereinbarungsgespräch führen? Und wenn ich meinen Zielerreichungsgrad übererfülle, erhalte ich im nächsten Jahr als Ausgleich für meine Kurzsichtigkeit ein paar Dioptrien weniger?

"Auch wenn dein Weg vorgegeben ist, finden musst du ihn allein" versetzt mein Gegenüber. Ich vernehme ein leises Knacken, damit ist der Drops gelutscht. "Wenn du reden möchtest, dann rede jetzt, sonst denke nach und komme später wieder" beendet die Stimme von nebenan nun offenbar unsere Unterhaltung. "Gott behüte dich, mein Sohn".

"Dann komme ich an einem anderen Tag wieder", rufe ich ihm aufmunternd zu. "Ich schreibe einfach alles auf und lese es Ihnen dann vor, okay? Freies Sprechen ist einfach nicht mein Ding!" setze ich noch nach und mache mich auf, um mir ein Lehrbuch über stochastische Zufallsvariablen zu kaufen.

2 Kommentare 9.5.07 00:36, kommentieren

Glücksmomente

Während ich so in meinem Studierzimmer sitze und einen mit Schokolade vollverkleideten Kinderriegel in mich hineinführe (schon gemerkt? Die Dinger schmelzen nicht mal mehr in der Hand, sondern erst auf der Zunge), sinniere ich über das Glück und was das wohl persönlich für mich bedeutet. Ich komme dabei nicht weit, weil mich die Statusbalkenbefüllung einer laufenden Softwarebetankung davon abhält. Ich muss zugeben, dabei kann ich einfach nicht wegschauen. Die dabei immer zufällig eingestreuten Klickbestätigungen nehmen mich geistig immer derartig gefangen, weil ich keine davon verpassen will. Minutenlang flimmern Statusmeldungen wie ein Mantra an mir vorbei. Endlich die erlösende Meldung: Glückwunsch, Ihre Software wurde erfolgreich aktualisiert. Ist das schon Glück? Naja, vielleicht ein Zipfelchen davon. Schließlich kann ich mich nun meinem eigentlichen Vorhaben, dem Einmassieren von Fußlotion (Minze Fresh) widmen.

Glück, das bedeutet für mich unter anderem einfach: Zeit zu haben. Für Dinge, die im Alltag liegen bleiben. Die in der Hektik keine Beachtung finden. Zeit, um die Gedanken schweifen lassen. Nicht machen müssen, sondern einfach sein, ohne Plan und Verpflichtung. Ich denke, ich bin ein Meister im Fließenlassen von Zeit, wenn man mich nur lässt. Und wenn man mich dann nach so einem Wochenende fragt, was ich denn gemacht habe, habe ich darauf keine passende Antwort. Eigentlich nichts. Aber dabei habe ich mich glücklich gefühlt.

Natürlich lebt Glück auch für mich von zwischenmenschlicher Energie. Geprobt am vergangenen Wochenende an unserem ersten 'Elternwochenende' seit nunmehr drei Jahren. Dank des Pfadfindertums von unserem Bäckerjungen haben wir im Quatsch Comdey Club im Café Keese auf der Reeperbahn Kultur getankt und bei der Gelegenheit eine gute Lachmuskelmassage erhalten.
Kostprobe?

Andi aus Rüffelshausen, einem kleinen Dorf im Schwarzwald, ist das erste Mal in der großen Stadt. Seinem Vater hat er versprochen, etwas mitzubringen, etwas, das es nur in der Stadt zu kaufen gibt. [Er kauft eine zweistellige Hausnummer]. Abends geht er in die Disco und wird vom Türsteher nicht durchgelassen. Warum er denn Türsteher geworden ist, will Andi von ihm wissen. Hat er, als er in der Grundschule aus dem Klassenzimmer verwiesen wurde, auch so im Flur herumgestanden und sich dabei gedacht: Hmm, das kann ich mir später auch mal beruflich vorstellen..? Und die Türchen des Adventskalenders..hat er die früher eigentlich aufgemacht oder bewacht? Und duzt man sich nach den langen Jahren im Job eigentlich mit der der Fußmatte?

4 Kommentare 13.4.07 00:07, kommentieren

Gagaistische Kost

Fritz war wie ein Albatros, geräumig und verwegen. Seine Streichhölzer ließ er sich nach Maß machen, genauso wie seine Argumente. Er lebte schon seit vielen Jahren an den äußeren Abhängen des Vulkans Lavasabba auf der Insel Bornhuse. Nachdem seine Eltern konfirmiert worden waren, konzentrierte er sich auf seine relative Raffiniertheit. Er schloss sich einem Club der Mailbox-Enthusiasten an, begann mit dem Bodenturnen und damit, Badehosendesigns zu entwerfen. Sein erster Kunde war ein Erpel. Fritz war erstaunt, aber er hatte sich mit Quantenphysik beschäftigt und wusste, dass man die Welt nicht mehr eins zu eins nehmen konnte. Trotzdem hatte Fritz gehofft, dass alles, auch das Absurdeste, seiner inneren Folgerichtigkeit gehorchte, wie bei Schrankkoffern oder Börsenpropheten. Als er begriff, dass er sich getäuscht hatte, verwandelte er sich in eine Kuh und ließ sich von Arbeitslosen die Zähne putzen. Dann zog er sich zurück in die Theatertoilette und aß Mettwurst mit Senf. Anschließend legte er sich schlafen und träumte von einer Existenz als Buchhalter eines Innuitenhäuptlings.

2 Kommentare 7.3.07 19:25, kommentieren

Valentinsgrüße

Hallo liebes Blog,

ich weiß, was du jetzt sagen willst. Hast Dich lange nicht um mich gekümmert. Denkst nicht mehr an mich. (Jedenfalls nicht mehr so wie früher.) Treuloser Hennigsen. Hast vielleicht sogar einer anderen den Pelz vollgeschrieben...? Nein, liebes Blog. Dein Besitzer ist nur so vollauf mit anderen Dingen beschäftigt. Er muss ja jetzt auch unbedingt studieren gehen, der gute Hennigsen. Und das in seinem Alter! Tsts, wahrscheinlich die Midlife, ja da hast Du Recht. Die Symptome kennt man ja: Da frisieren sich die alten Knochen dann auf einmal auf wie die jungen Böcke. Wollen's nochmal so richtig krachen lassen. Und Selbstbestätigung, ich sage Dir, liebes Blog, für das Einheimsen eines Quäntchens Selbstbestätigung setzen sich selbst die ältesten Greise nochmal in Positur. Kämmeschwellen halt, das können sie alle. Dabei hat der Hennigsen das doch gar nicht nötig. Der hat doch einen sicheren Job, zwei Kinder und eine schöne Vierzimmerwohnung in Flottbek. Und mit 55 geht er in Betriebsrente und lebt danach von seiner Pangsion.

Naja, liebes Blog, ich soll Dir jedenfalls schöne Valentinsgrüße ausrichten vom Hennigsen. Und dass er Dich vermisst, soll ich Dir sagen. Du (und seine Schreiberei) wirst halt immer seine alte Liebe bleiben...

Ein guter Freund

13.2.07 22:24, kommentieren